Über Jahrzehnte fühlten sich die Menschen im Rheinischen
Braunkohlerevier ohnmächtig gegenüber der geballten Macht von Industrie
(RWE) und Landesregierung. Sie wussten, dass eines Tages die Kohlebagger
kommen würden und sie aus ihren Wohnungen und von ihrem Land vertreiben
würden und ihre Vorfahren aus ihrem Grab umgebettet würden. Für sie war
es eine ständige Hängepartie: Wann muss ich raus, wann kommt der Bagger?
Schließlich wurden die Proteste um den Hambacher Wald immer sichtbarer,
bei denen es um den Erhalt des Waldes aber auch die grundsätzliche
Systemfrage ging. So taten sich auch Dorfbewohner:innen zusammen, um ein
gemeinsames Stückchen Land nicht dem Konzern zu überlassen, es bemühten
sich Christ:innen die Schöpfung und auch ihre Kirchen zu bewahren und
Kontakte zu anderen Braunkohlebedrohten Regionen wurden geknüpft.
Aktivist:innen kamen in die Dörfer am Tagebau Garzweiler, es wurden
Baumhäuser errichteten, Dorf- und Waldspaziergänge brachten
Interessierte und Unterstützer:innen aus den benachbarten Städten Köln,
Bonn, Aachen, Mönchengladbach und Düsseldorf zusammen. Nach dem Abriss
einer Straße, die die Dörfer verbindet bildete sich die Mahnwache
Lützerath, die zum festen Anlaufpunkt für alle Interessierten wurde.
Durch die inhaltliche und historische Aufarbeitung der Braunkohle und
ihrer Folgen wurde auch wieder der Hl. Arnold entdeckt: Er hatte zur
Zeit Karls des Großen den Bewohner:innen der rheinischen Dörfer den
Zugang zu einem großen Waldgebiet und dessen moderate Nutzung gesichert,
womit eine Hungersnot abgewendet werden konnte. Wichtig war dabei, dass
diese Allmende-Regeln dafür sorgten, dass ein Überleben des Waldes für
mehr als Tausend Jahre gesichert wurden.
Die heutigen Kämpfe können nicht die Durchsetzungskraft für sich
beanspruchen wie damals Arnolds Aktion. Der Kampf um Lützerath hat es
zwar in die Weltpresse gebracht, aber das Dorf wurde mit Riesenaufwand
geräumt und in Windeseile 2023 abgebaggert. Die fünf Nachbarorte wurden
aber gerettet, genauso wie das Dorf Morschenich am Hambacher Wald. Nun
stellt sich die Frage wie es weitergehen kann – vor Ort aber auch global
angesichts der voranschreitenden Zerstörung.
Im Anschluss an den Film wird es ein Gespräch mit dem Regisseur Thomas
Meffert geben über seine Erfahrungen in der jahrelangen Dokumentation
der Kämpfe im Braunkohlerevier und was daraus politisch zu lernen ist.
Veranstalter:
Eine Welt Forum Münster
Institut für Theologie und Politik
Vamos e.V.
3. Juni 2025 um 18 Uhr
im Cinema Münster, Warendorferstr.
Dokumentarfilm mit anschließendem Gespräch mit dem Regisseur
Regie: Thomas Meffert | D 2025 | 107 Min | FSK 0 | https://arnolds-erben.de/

