Bücher aus dem Feuer. Lesung in Erinnerung an die Bücherverbrennungen am 10. Mai 1933

Kajo Schukalla und Brigitte Thomas bei der Lesung “Bücher aus dem Feuer”

An die Bücherverbrennungen durch die Nationalsozialisten am 10. Mai 1933 erinnerten am 10.05.2019 die
Gesellschaft für bedrohte Völker und das Eine-Welt-Forums Münster im Kirchenfoyer Münster.

Unter dem Motto “Bücher aus dem Feuer” lasen Brigitte Thomas und Dr. Kajo Schukalla aus den 1933 verbrannten Büchern. Bei dieser reichsweit von der Deutschen Studentenschaft und dem nationalsozialistischen Studentenbund durchgeführten „Aktion wider den undeutschen Geist“ waren Bücher pazifistischer, sozialistischer, liberaler und jüdischer Autoren auf dem heutigen Schlossplatz, nahe dem Landgericht, verbrannt worden. Bereits am 6. Mai war ein so genannter „Schandpfahl“ auf dem Domplatz errichtet worden, an den missliebige Schriften angenagelt wurden und von dem aus am 10. Mai 1933 ein Demonstrationszug mit einem Karren gesammelter „undeutscher“ Literatur über den Prinzipalmarkt zum Rosenplatz und durch die Frauenstraße ging. Die Lokalpresse berichtete, dass so viele Münsteraner teilnahmen, dass die damals noch fahrende Straßenbahn fast eine halbe Stunde aussetzen musste. Die Veranstalter erinnerten auch an aktuelle Fälle von Autorenverfolgung und heutige Menschenrechtsverletzungen. In Anschluss an die Lesung gingen die Teilnehmer zum früheren Ort des so genannten „Schandpfahls“ auf dem Domplatz (gegenüber dem Neubau des LWL-Museums), wo seit genau zehn Jahren eine Bodenplatte an die Ereignisse von 1933 erinnert, die rückblickend ein Auftakt zum Völkermord waren. Mehrere Teilnehmer beklagten, das diese unauffällige Erinnerungstafel zu wenig bekannt sei.