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11.11.2019 – Schreiben gegen das Vergessen. Lesung und Gespräch mit Boubacar Boris Diop

11. November – 19:30
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Vortragsreihe “Afrikanische Perspektiven – Aus dem Schatten des Kolonialismus treten!”

Auf der Buchmesse von Harare im Jahr 2000 wurde Boubacar Boris Diops Roman „Murambi. Das Buch der Gebeine“ zu einem der hundert besten Bücher Afrikas gewählt. Der senegalesische Schriftsteller und Journalist Diop war durch Ruanda gereist, um über den Genozid von 1994 zu forschen. Seine Ergebnisse setzt er in einen Roman um, in dem er Täter, Opfer und Mitläufer zu Wort kommen lässt. Er problematisiert die Sprache für das Geschehen, schildert die koloniale Vorgeschichte der Gewalt, die Machtkämpfe in Ruanda, die Rolle der UNO und der früheren Kolonialmacht Frankreich. Bis zu diesem Projekt hatte Diop seine Texte auf Französisch geschrieben. Seitdem verfasst er Texte zunehmend in seiner Muttersprache Wolof und setzt sich für die Verwendung afrikanischer Sprachen ein.

Im Gespräch mit Dr. Moustapha Diallo erläutert Diop die Bedeutung des Schreibens gegen das Vergessen und die Rolle der afrikanischen Sprachen bei der Dekolonisierung des Denkens. Diallo übersetzt das Gespräch, die Schauspielerin Beate Reker liest Auszüge aus Diops Texten.

Datum: Montag, 11. November 2019 – 19:30 Uhr
Ort: Freiherr-vom-Stein-Saal der Bezirksregierung, Domplatz 36, Münster

Einritt frei.

Hintergrund zur Vortragsreihe:
Die koloniale Brille verzerrt noch immer den westlichen Blick auf Afrika: Der Kontinent bleibt Bittsteller, der Westen Geber – und zwar materiell wie intellektuell. Dabei drängt sich, wenn man diese Brille absetzt, eine andere Sichtweise auf – und zwar materiell wie intellektuell: Wenn Afrika sich Europa verschlösse, liefe in Wolfsburg bald kein Band mehr und kein Handy würde mehr funktionieren. Das stellte der deutsche Minister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, Gerd Müller, vor kurzem fest.

Auch die intellektuellen Leistungen von Afrikaner*innen und ihre Beiträge zur Befreiung des Kontinents von den Fesseln des Kolonialismus und der postkolonialen Vorherrschaft des Westens werden kaum wahrgenommen. Die Reihe “Afrikanische Perspektiven – Aus dem Schatten des Kolonialismus treten!” richtet deshalb den Blick auf Afrikaner*innen, die mit ihren Analysen der Vergangenheit und Gegenwart sowie mit ihren Visionen die Debatten bis heute beeinflussen. Die Reihe ermöglicht damit in Münster eine differenzierte Darstellung politischer und kultureller Entwicklungen in den Ländern Afrikas, und zwar im Sinne der von den Vereinten Nationen ausgerufenen “Internationalen Dekade für Menschen afrikanischer Herkunft”. Schriftsteller und Intellektuelle kommen zu Wort, lesen aus ihren Texten und diskutieren mit dem Publikum.

Details

Date: 11. November
Time: 19:30